168 Tage mussten die Anhänger beider Vereine darauf warten, dass es endlich wieder losgeht. Nach einer langen Sommerpause geht es nun am kommenden Sonntag um 17 Uhr in der EPG Arena im Duell gegen Medikamente per Klick Bayreuth endlich wieder um Punkte. Nach einer starken Pre-Season, in der die Baskets fünf Siege einfahren konnten (gegen Mulhouse, Artland, Bochum, Giessen und zuletzt eindrucksvoll gegen Karlsruhe) und nur zwei Niederlagen kassierten (Essen sowie gegen Pro A Absteiger Leverkusen), zieht Head-Coach Stephan Dohrn ein positives Fazit: „Die Pre-Season ist soweit produktiv und lehrreich verlaufen. Es macht Spaß, mit den Jungs zu arbeiten, alle ziehen gut mit“. Und wer die Mannschaft in der Vorbereitung erlebt hat, der konnte deutlich wahrnehmen, dass neben dem positiven Vibe, den die Mannschaft ausstrahlt, vor allem eins spürbar ist: Dieses Team möchte zusammenspielen.
So konnte man durchaus auch jüngst beim deutlichen 104-74 Erfolg im abschließenden Testspiel gegen die Karlsruhe Lions feststellen, dass die Mannschaft in einem sehr hohen Maße auf dem Parkett miteinander kommuniziert und jeder einzelne Akteur stets den Blick für den Mitspieler hat. Einerseits offensiv, wo immer wieder der Extra-Pass zum freistehenden Mitspieler stattfand, sowie auch in der Verteidigung, die durch eine souveräne Verschiebung und Helpside-Defense teilweise eindrucksvoll dominierte. Besonders im ersten Viertel (29-13) konnte man durch eine größtenteils überragende Defensive den Gegner zur Verzweiflung bringen – eine Stärke, die einerseits eine vollkommen neue Dimension eröffnet, musste man sich doch in der vergangenen Saison stets durch einen sehr hohen offensiven Aufwand im Spiel halten, und auf der anderen Seite gleichzeitig viel versprechend aufzeigt, wie weit dieses neue Team bereits in seiner Entwicklung vorrangegangen ist. Im Vergleich zur letzten Saison, bestätigt auch der Head-Coach, dass das Team deutlich schneller lernt und in einem höheren Tempo, Fortschritte erzielt. Man darf sich also freuen endlich in den echten Wettbewerb einzusteigen. 168 Tage können ziemlich lang sein.
In Bayreuth hingegen ist man aus anderen Gründen froh, dass die „echte“ Saison nun losgeht. Nach einem Sieg zum Auftakt der Pre-Season gegen Coburg (Pro B), folgten fünf teils krachende Niederlagen (unter anderem 56-108 gegen den MBC und 65-90 gegen Wolmirstedt). Headcoach Vincent van Sliedregt, der Übergangstrainer Lukas Hofer beerbte (Hofer übernahm von Florian Wedell im Dezember 2025 und wurde trotz einer Bilanz von 10-10 am Ende der Saison freigestellt), konnte dabei zu keinem Zeitpunkt auf seine gesamte Mannschaft zurückgreifen und die Vorbereitungszeit dementsprechend nicht optimal nutzen. Immerhin konnte das Team um Topscorer Joshua Bonga (20 Punkte) im letzten Vorbereitungsspiel gegen die Orange Academy mit 91-83 einen Sieg für das Selbstvertrauen einfahren. 168 Tage waren zu wenige, um den verletzungsgeplagten Zehnten der letztjährigen Saison, eingespielt und vollzählig in die Saison gehen zu lassen. Dabei hätte es das Team mit seinen acht Neuzugängen durchaus benötigt möglichst viel Spielpraxis und gemeinsame Trainingszeit zu sammeln.
Besonders gespannt darf man auf Guard Matt Frierson sein, den Coach van Sliedregt vom LWD Basket Leeuwarden mitnahm, wo er in der niederländischen BNXT League 13.7 Punkte 2025/26 erzielte und laut unserem Coach als echter Spielentscheider gilt. Gemeinsam mit Power Forward Taje‘ Kelly, der bereits in seine zweite Bayreuther Saison geht, allerdings in der vorrangegangenen Saison verletzungsbedingt kein Pflichtspiel bestreiten konnte, habe Bayreuth zwei Spieler im Roster, die jederzeit heiß laufen können und somit auch das Spiel alleine gewinnen können. Kelly erzielte in seinem letzten College Jahr für die Charleston Southern University 20.5 Punkte und 8.9 Rebounds während Frierson 41.5% 3er bei 287 Versuchen traf. Koblenz trifft also am kommenden Sonntag auf ein explosives Duo, das höchstwahrscheinlich in der kommenden Saison für Furore sorgen wird.
Doch auch abseits dieses One-Two-Punchs gastiert unter anderem mit Collin Metcalf (University of Maryland), dem in Koblenz geborenen Joshua Bonga sowie Simon Hildebrandt, der im Sommer an der Seite von Koblenz Neuzugang Mason Kraus in Winnipeg die kanadische Championship gewann, ein extrem gefährlicher Gegner. Um gegen diesen zu gewinnen müsse man defensiv sehr genau sein, so Coach Dohrn. Ob eingespielt oder nicht, und trotz einiger nennenswerter Abgänge wie Liedtke, Diallo, Rahming oder Horn, individuell ist diese Bayreuther Mannschaft sehr stark einzuschätzen.
Nicht viel länger her als diese 168 Tage, liegt das letzte Aufeinandertreffen dieser beiden Teams zurück. Am 33. Spieltag verloren die Koblenzer zuhause mit 75-89 (Julian Larry 17 Punkte, 6 Assists für die Baskets, Rahming 15 Punkte und 15 Rebounds für den BBC) und die Gäste konnten sich für das Offensiv-Feuerwerk revanchieren, welches ihnen die Baskets am zweiten Spieltag bescherten. 107-89 siegten die Schängel damals souverän, angeführt von Calvin Wishart, Tim Smith und DJ Jeffries, die gemeinsam 63 Punkte erzielten. Am 13.04.2024 gewann Koblenz zuhause deutlich mit 93-63 gegen die Wagnerstädter, die anderen vier Begegnungen die man in der Pro A gegeneinander spielte, gingen an Bayreuth.
Ob der nach wie vor angeschlagene Badu Buck aktiv dazu beitragen kann, diese Bilanz aufzubessern ist äußerst fraglich und auch David Gaspers wird durch eine Bänderverletzung über mehrere Wochen ausfallen. Hinsichtlich Kapitän Buck zeigt sich sein Coach allerdings mit den bisherigen Reha-Fortschritten zufrieden hinsichtlich der positiven Reha-Fortschritte.
Das Warten hat ein Ende und die Fans dürfen sich, in der hoffentlich vollgepackten EPG Arena, darauf freuen ihr Team endlich wieder spielen zu sehen. 168 Tage wurden gezählt – jetzt zählt es wirklich.



